Aktivitäten

Hier erhalten Sie in regelmässigen Abständen Informationen aus der Arbeit des Hospizverein Pfungstadt und nördliche Bergstraße e.V.

20 Jahre Hospizverein : Benefizkonzert in Pfungstadt

Anlässlich unseres 20-jährigen Bestehens gab die Band „grass unlimited“ am 12.November im Saalbaukino in Pfungstadt ein Benefizkonzert für unseren Hospizverein. Die Band wusste das Publikum von Anfang an zu begeistern. Bereits der erste Song brachte die Gäste in Hochstimmung und so mancher Fuß wippte im Takt. Wenngleich die erwartete Teilnehmerzahl weit unterschritten blieb, so kamen die rund 50 Anwesenden doch voll und ganz in den Genuss bester Musik, was am tosenden Applaus nach jedem Stück erkennbar war. Ergänzt wurde die Darbietung durch kleine persönliche Anekdoten einzelner Bandmitglieder, die zwischen den Songs eingestreut wurden und das Publikum immer wieder zum Lachen brachten. Am Ende des Abends forderte sich das Publikum erwartungsgemäß noch eine Zugabe ein, die die Band nur allzu gerne gab – und noch eine weitere obendrauf legte. Eine rundum gelungene Veranstaltung, die uns in Wertschätzung unserer hospizlichen Arbeit „geschenkt“ wurde – herzlichen Dank an die Bandmitglieder von „grass unlimited“!

Mit Birgit Schneider am Mikro.

Oktober 2021: Eindrücke vom Letzte Hilfe Kurs in Bickenbach

Ist es möglich, sich in vier Stunden einen Überblick zu doch so bedeutsamen Themen wie „Der Tod gehört zum Leben, Vorsorgen und Entscheiden, Leiden lindern und Abschied nehmen“ zu verschaffen? Vertraut man den Rückmeldungen der Kursteilnehmenden von Letzte Hilfe Kursen, so kann man diese Frage guten Gewissens mit „Ja“ beantworten. So auch die mehrheitliche Rückmeldung der 11 Teilnehmerinnen des Letzte-Hilfe-Kurses in Bickenbach, der am 14.Oktober 2021 stattfand. Ausgerichtet von der evangelischen Kirchengemeinde Bickenbach in Kooperation mit dem Verein „Raum für Frauen“ stellten die Kursleiterinnen Sigrid Herbrich, Hospizbegleiterin und Birgit Schneider, Koordinatorin des Hospizvereins Pfungstadt und nördliche Bergstraße e.V. das Konzept der Letzte Hilfe Kurse vor und luden direkt zu Beginn des vierstündigen Workshops die Teilnehmenden ein, sich aktiv mit ihren eigenen Erfahrungen und Fragen einzubringen.

Im Fokus der Letzte Hilfe Kurse liegt die Zeit am Lebensende, wenn ein Mensch im Sterben liegt. Wenngleich es unumstößlich ist, dass Sterben zum Leben gehört, so schieben wir Menschen den Gedanken daran nur zu gerne weg, zu sehr schmerzt uns vielleicht die Vorstellung, einen geliebten Menschen zu verlieren oder selbst zu sterben. Hier setzen Letzte Hilfe Kurse an. Sie wollen dem Tod den Schrecken nehmen, indem man über das Sterben spricht. Und genau das haben die beiden Kursleiterinnen getan. In einer offenen und sehr lebendigen Art und Weise erläuterten sie, was man unter Palliativversorgung versteht und welche Akteure hierzu gehören. Sie erklärten Sterben als einen natürlichen Prozess, der zumeist kein plötzliches Ereignis ist, sondern nach und nach den ganzen Menschen erfasst. Auf die Fragen der Teilnehmerinnen, woran man erkenne, dass ein Mensch im Sterben liegt, beschrieben sie eindrucksvoll, welche Symptome auftreten können und wie sich das Verhalten des betroffenen Menschen verändern kann. Dabei ging ihr Weg immer von der grundlegenden Information zu anschaulichen Beispielen. Anhand der mitgebrachten Utensilien zeigten sie, wie man beispielsweise mit Hilfe eines Sprühfläschchen oder eines Wattestäbchens dem Sterbenden Durst lindern kann, wenn Schlucken nicht mehr möglich ist. Dem Thema Essen und Trinken widmeten die Kursleiterinnen aus gutem Grund ein besonderes Augenmerk, wohlwissend, dass es für Angehörige zumeist schwer auszuhalten ist, wenn der sterbende Mensch zunehmend weniger isst und trinkt. Sie erklärten, dass es normal sei, wenn das Interesse an der Nahrungsaufnahme nachließe, insbesondere in den letzten Lebenstagen. Immer wieder wurde deutlich, dass das Umsorgen eines Sterbenden vor allem „da sein, bleiben und aushalten“ bedeutet.

Das letzte Thema des Kurstages betraf das Abschiednehmen. Rituale wurden vorgestellt und Unterstützungsangebote wie Trauergespräche und -gruppen vorgestellt. Der Nachmittag verging wie im Flug und am Ende der Veranstaltung zogen alle Beteiligten eine positive Resonanz. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch Frau Blum und Frau Krämer (Raum für Frauen), die für die Dekoration des Raumes und das leibliche Wohl in der Pause sorgten

 Birgit Schneider, Koordinatorin

                                                                                                

Corona zeigt, wie fragil Leben ist“

Trauerbegleiterin Birgit Schneider erklärt im Interview mit dem Darmstädter Echo, wie sich Trauern verändert hat und was dies für die Menschen bedeutet

DARMSTADT-DIEBURG . Der Tod allgegenwärtig. Mehr als 81 000 Menschen sind bundesweit seit Beginn der Pandemie in Verbindung mit dem Virus gestorben. Die Trauer über sie hat sich unter den Corona-Regeln verändert. Wie sich das auf die Angehörigen der Verstorbenen auswirkt, beschreibt die Geschäftsführerin und Trauerbegleiterin beim Hospizverein Pfungstadt und nördliche Bergstraße, Birgit Schneider. 

Frau Schneider, täglich hören wir Meldungen über die Zahl der Menschen, die mit oder an dem Coronavirus gestorben sind. Hat sich dadurch unser Verhältnis zum Tod und zum Sterben verändert? 

Birgit Schneider: Die Meldungen bekommen schon fast eine Normalität. Wir dürfen dabei aber nicht vergessen, dass hinter jedem Menschenleben Angehörige stehen. Was es heißt, einander nicht mehr sehen zu können, einander verloren zu haben. Es macht mir bewusst, wie fragil unser Leben ist.

Der Tod kommt uns näher. Wie hat Corona das Sterben und auch das Trauern verändert? 

Wenn ich mir vorstelle, mein Angehöriger erkrankt schwer, kommt ins Krankenhaus, stirbt, und ich habe mich nicht mehr von ihm verabschieden können, ihn nicht mehr sehen können: Das will ich nicht erleben müssen. Das bedeutet so viel Leid für die Menschen, das kann ich mir kaum ausdenken. 

Kennen Sie solche Fälle aus der Trauerbegleitung? 

Ja. Insbesondere im zweiten Lockdown haben wir viele Anrufe gehabt, die genau das ausgesprochen haben. „Ich konnte nicht mehr zu meinem Mann ins Krankenhaus, mein Vater ist gestorben und ich konnte nicht mehr Abschied nehmen“, sagten die Menschen. Das zeigt die Betroffenheit, dass man den anderen alleinlassen musste in seiner vielleicht schwersten Zeit.

Was bedeutet das für die Angehörigen? 

Das macht ganz viel mit den Menschen. Sie müssen über ihr Leid sprechen können. Sie müssen die geballte Ladung an Emotionen aussprechen dürfen. Sie brauchen andere, die ihnen zuhören. Das fehlt jetzt manchmal. Ich bin mir sicher, es kommt noch eine Menge Trauerarbeit auf uns zu.

Nicht nur Zuhörer bleiben aus. Auch Rituale, die zum Trauern gehören. Eine Beerdigung mit vielen Freunden gibt es nicht mehr. Umarmungen sind unmöglich. Kann man überhaupt noch Abschied nehmen? 

Für ein gutes Trauern braucht es auch ein gutes Abschiednehmen. Doch wie, wenn ich vielleicht nicht mehr am Bett letzte Worte sprechen konnte, keine letzte Begegnung möglich war. Nur das Gefühl: Ich bleibe zurück. Und dann kommt die Trauerfeier. Anteilnahme zeigen, einander drücken, Arm in Arm gehen, das alles ist auf ein Minimum reduziert. Ich bin eigentlich ganz schön alleingelassen.

Es gibt den Begriff der verschleppten Trauer. Holt die Angehörigen die Trauer später wieder ein? 

Wir leben in dieser Pandemie. Wir müssen uns damit abfinden, dass vieles nicht möglich ist. Natürlich kann ich die Trauerfeier später ausrichten. Aber die wird sich sicher anders anfühlen als zu dem Zeitpunkt, als ich wirklich den Trauerabschied mit Freunden gebraucht hätten. Und auch eine auf später verschobene Trauer wird irgendwann hochkommen, da bin ich mir sicher. 

Wie gehen Menschen mit Trauer um? 

Trauern ist ein sehr persönlicher Prozess. Trauernden Menschen hilft in der Regel, wenn Sie immer wieder von ihrer Trauer erzählen dürfen und sie Menschen haben, die ihnen auch zuhören. Deshalb bieten wir in unserem Hospizverein Trauerangebote an. Beispielsweise unser Sonntagscafé für Trauernde und Einzelgespräche. Das Café fällt jetzt weg.

Wie fangen Sie das auf? Was können Sie als Trauerbegleiter derzeit tun? 

Wir haben ein engagiertes Team, das kreativ ist. Die Trauerbegleiter halten auch jetzt in der Zeit, in der die Treffen nicht möglich sind, telefonisch Kontakt. Sie besuchen die Menschen, gehen mit ihnen zu zweit spazieren. Wir sind froh, dass die Trauerarbeit trotz der massiven Einschränkungen angeboten werden kann. Die Menschen nehmen das sehr dankbar an.

Was raten Sie trauernden Angehörigen in der jetzigen Situation? 

Ich frage die Betroffenen, ob sie gerne schreiben. Es kann helfen, wenn man all das, was einen bewegt, aufschreibt. Es gibt so viele Gefühle und Sätze, die gesagt werden wollen, aber vielleicht noch nicht gesagt werden können, die noch Zeit brauchen. Die kann man an das Trauertagebuch abgeben. 

Aber reden bleibt wichtig? 

Ich würde nie sagen, man muss reden, vielleicht passt das für manchen auch nicht. Wir fragen die Menschen, was ihnen gut tun würde. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass es Trauernden hilft, darüber zu sprechen. Daran ändert auch Corona nichts.

Das Interview führte Wolfgang Görg. 

ZUR PERSON 

Birgit Schneider (59) ist seit Januar 2009 hauptamtliche Koordinatorin des Hospizvereins Pfungstadt und nördliche Bergstraße. Sie ist examinierte Krankenschwester mit Fortbildung zur Palliativ Care Fachkraft und ausgebildete Hospizbegleiterin sowie Trauerbegleiterin. Zudem hat sie das Studium der Pflege- und Gesundheitsförderung an der Evangelischen Hochschule in Darmstadt absolviert. (wog)

April 2021 : Ludwig Metzger Preis der Sparkasse Darmstadt für unseren Hospizverein

 Youtube – Video der Preisverleihung im Kikeriki Theater Darmstadt –https://www.youtube.com/watch?v=OaYUCmpa-XM

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